Theorie der Gestalttherapie

Die paradoxe Veränderungstheorie!
Was meint diese Theorie?

Je mehr man versucht, zu sein was man nicht ist, desto mehr bleibt man derselbe.
Um wachsen zu können und um Hilfe und Liebe anderer annehmen zu können, braucht man Selbstunterstützung (selfsupport). Der Versuch jemanden anderes zu sein, als man ist, ist nicht selbstunterstützend.
(Zitat aus Awareness, Dialog, Prozess, von Gary M. Yontef, Seite 47)

Das Selbst!
In der Gestalttherapie wird das menschliche Selbst, oder das was den Menschen ausmacht (Leib-Seele-Organismus), nicht durch ein drei Instanzen Modell, wie in der Psychoanalyse begrenzt.

Das Selbst in der Gestalttherapie ist keine isolierte psychische Instanz, sondern die Kontaktgrenze in Bewegung.

Die Theorie der Gestalttherapie bietet somit eine gültige Erklärung dafür, wie wir mit der Welt in Kontakt treten und uns in der Welt erfahren. Damit gaben die Gründer der Gestalttherapie ein allein auf das isolierte Individuum bezogene Menschenbild auf. Sie stellten damit eine Verbindung des Menschen mit seiner Umwelt, seinem Feld her. Wir erfahren uns nur in Kontakt mit etwas.

Wie Martin Buber schon sagte, ohne DU kann kein ICH entstehen.

Laure und Fritz Perls verstanden, dass der Mensch (Leib-Seele-Organismus) nur  in ständigem Austausch mit seiner Umwelt überlebensfähig ist. In diesem Feld strebt der Organismus nach Homöostase und organismischer Selbstregulation.

Damit Menschen ihre Bedürfnisse erkennen, ist es aus gestalttheoretischer Sicht notwendig, sich seiner selbst bewusst zu sein. Damit führten Laura und Fritz Perls den Begriff der Awareness in die Gestalttherapie ein. In der therapeutischen Situation hatte dies weitreichende Folgen, da sich der Fokus und das Erleben des Menschen auf das „Hier und Jetzt“ fokussierte.

Die Drei Funktionen des Selbst!

Nochmal zur Erinnerung.
Das Selbst ist keine Psychische Instanz, sondern die Kontaktgrenze in Bewegung.
Das Selbst hat drei Funktionsbereiche, die sich überschneiden oder fließend ineinander übergehen.

1. Ich-Funktionen.
Dieses sind die Fähigkeiten mit denen wir mit der Umwelt in Kontakt treten oder sie uns „aneignen“. Dies ist als wechselseitiger Prozess zu verstehen -geben und nehmen-. Die Ich-Funktionen beinhalten den sog. Kontaktprozeß.

2. Es-Funktionen.
Diese beinhalten unsere Triebe, Bedürfnisse und Interessen, die den Kontakt mit der Umwelt bestimmen. Diese sind der Antrieb des Kontaktprozesses.

3. Die Persönlichkeitsfunktionen
Damit ist unsere Lebenserfahrung gemeint und mit was wir uns identifizieren. Diese Identifikationen sind also die Ergebnisse unserer Kontaktprozesse.

Der Kontaktprozeß!

Auf Grundlage der Feldtheorie von Kurth Lewin formulierten Perls, Hefferline und Goodmann die These, dass der Organismus seine Bedürfnisse in Form von Kontaktprozessen befriedigt.

Diese Kontakterfahrungen vollziehen sich an der Grenze zwischen Organismus und Umwelt.

An der Grenze zwischen Mensch und Umwelt findet demnach Kontakt statt. Die Kontaktgrenzen können durchlässiger oder undurchlässiger sein.

Das Phasenmodell des Kontaktprozesses!
Wir befinden uns immer im Austausch mit unserer Umwelt. Die Umwelt verändert uns und wir verändern die Umwelt. Alles was wir zum körperlichen- und psychischen Überleben brauchen ist außerhalb von uns. Wir sind also gezwungen Schritte in die Umwelt zu unternehmen, um zu überleben. Ein gutes Beispiel dafür ist Essen. Um unser Überleben zu sichern müssen wir Essen. Wir müssen „nach draußen“,  damit wir uns das Essen einverleiben können.
Wie wir mit der Umwelt in Kontakt treten beschreibt die Gestalttheorie als Kontaktprozesses. Der Kontaktprozess unterteilt sich in verschiedene Phasen, mit unterschiedlichem Energieniveau.

1. Vorkontakt
Im Vorkontakt wir der Mensch durch einen Stimulus erregt. Eine Bedürfnisgestalt bildet sich und drängt in den Vordergrund.

2. Orientierung und Umgestaltung
Wir orientieren uns in der Umwelt um das Bedürfnis das in den Vordergrund gerückt ist zu befriedigen. Wir sind sowohl senso-motorisch mobilisiert. D.h. wir müssen zielgerichtet Handeln. Wir müssen Energie aufbringen um das Bedürfnis zu befriedigen.

3. Voller Kontakt
Im vollen Kontakt verschmelzen wir sozusagen mit der Bedürfnisbefriedigung. Das Ziel ist erreicht.

4. Der Nachkontakt
Sättigung hat sich eingestellt. Das Bedürfnis ist Befriedigt. Das Erregungsniveau nimmt ab und der Abstand zwischen mir und der Umwelt wieder größer.